Ein Staat kann sich nicht aus der (Finanz)Krise hinaus sparen (Austerität)

https://www.metropolis-verlag.de/Geld-und-Kredit%3A-eine-%E2%82%AC-paeische-Perspektive/1219/book.do

VideoInterview mit Prof Dr Dirk Ehnts

  • Unsere aktuelle Geldtheorie ist falsch:
    • Banken erzeugen mit jedem neuen Kredit (rein digitales Giral-Fiat-Buch) neues Geld aus dem Nichts
      • Wie Gott die Welt aus dem Nichts schuf, erschaffen Banker Geld aus dem Nichts, Prinzip: “creatio ex deo” (Gott Schuf die Welt in 3 Tagen, aus dem Nichts)
      • (das erklärt die “Abgehobenheit” / Realitätsferne vieler Banker)
      • die Intermediator Funktion (Banken verleihen nur gespartes Geld anderer) ist ein Volksmärchen, welches sogar der ein oder andere Banker und Finanzminister immer noch glaubt
      • Banken sind keine “Intermediäre”
      • die Bank prüft bei Kreditvergabe NICHT wie viel Spar-Geld im Strumpf ist
      • man kann dieses Faktum eigentlich nicht mehr ignorieren
  • Fiat-Geld: seit 1971 (Nixon, Vietnam) Gold-Garantie für Dollar vorbei
    • jetzt nur noch “modernes Geld” “Fiat-Money” (Papier/Einsen-und-Nullen auf Festplatten ohne garantierten Gegenwert)
  • Wenn der Staat einen zwingt, Steuern in einer bestimmten Währung zu bezahlen, bekommt die Währung einen gewissen Wert
  • Idee der Europäischen Union: “United States of Europe” welche theoretisch ja auch eine gemeinsame Währung haben könnte.
    • Problem: Asymmetrischer Schock beim Aufgabe der National-Währung
      • es war klüger von Schweden und Briten den Euro abgelehnt zu haben
    • Ein Argument war, dass der Euro einen Schutz bieten würde gegen Finanzmärkte, das genaue GEGENTEIL war der Fall. (Fehler oder Absicht? Könnte auch Absicht sein)
  • Arbeitslosigkeit in vielen Ländern der Eurozone zu hoch:
    • 2019-01 Statista: Jugendarbeitslosigkeit in Europa
      • 20% Frankreich
      • 32.6% Spanien
      • 33% Italien
      • 40% Griechenland
      • 23% Kroatien
      • 15% EU gesamt
      • 6% Deutschland
    • wenn Privathaushalte und Privat Banken und Unternehmen in der Krise sparen, ist das okay, aber wenn der Staat in der Krise spart, ist das genau falsch, weil die ganze Wirtschaft dann in’s stocken kommt.
      • Portugal mit Linker Regierung hat den Sparkurs beendet, steht hat wieder Wachstum, im Gegensatz Austeritätspolitik von Griechenland, Spanien, Italien aber auch Deutschland (“schwarze Null”)
    • “die staatlichen Eingriffe sind notwendig” “der freie Markt garantiert keine Vollbeschäftigung”
    • entweder wird der Euro reformiert, dass die Arbeitslosigkeit wieder sinkt
      • “Macron muss liefern”
    • oder: “Le Pen” wird gewählt, die Länder werden aus politischen Gründen gezwungen das Projekt Euro zu beenden
    • Achtung! Habe keine Belege dafür, nur eine Theorie: hat Frankreich Mitterand hat die Einführung einer gemeinsamen Währung als Bedingung für die Wiedervereinigung von Deutschland gemacht/eingefordert? Die ein ode randere Dokumentation behauptet das, wobei Deutsche Export orientierte Unternehmen die eigentlichen profiteure vom Euro waren.
  • ein Leistungsbilanz/Exportüberschuss führt immer zu einer Schulden-Akkumulation im Ausland und “irgendwann geht das nicht mehr gut”
  • “Geld und Kredit sind soziale Konstruktionen ohne die Regulierung nicht denkbar wäre”
    • In Zeiten wo viele Menschen sich verschulden, entsteht auch viel Geld, die Einkommen korrelieren stark mit der Verschuldung
  • 1929 waren zwei Krisen auf einmal:
    • die größte Immobilienblase ever
    • die größte Aktienmarktblase ever
    • Wenn dann die Leute ihr Geld einsetzen für Schulden-Tilgung statt für Konsum, dann sinkt natürlich überall die Einkommen und auch das BIP, weil der Absatz der Unternehmen (Binnenmarkt) stagniert
    • Glass-Seagell Act
      • Trennung von Banken in:
        • Zocker-Banken mit hoher Rendite (die meisten Hedgefonds sammeln ab 1Mio$ ein)
        • Konsumentenbanken mit staatlicher Einlagensicherung
          • dass die Leute nicht Angst haben müssen, dass in der nächsten Krise die ganzen Banken das zeitliche segnen und die Leute zur Bank rennen, weil Sie Angst haben, dass Sie ihr Geld nicht mehr abheben können
      • wurde de facto unter Bill Clinton aufgehoben
      • da die Deutsche Bank dieser Regulierung nicht unterlag (ist eine Universalbank (Konsumenten- aber Spekulanten-Bank)) haben New Yorker Banken geklagt, dass diese Regulierung Wettbewerbs-technisch unfair ist.
    • Konsens während der Soviet-Union:
      • die Ungleichheit der Einkommen durfte nicht zu hoch sein, man wollte der DDR zeigen “hier wir sind alle reich, selbst unsere Armen sind reicher als eure Mittelklasse” “hat dafür gesorgt, dass die Umverteilung “skandinavisch” ausfällt”
      • Konsens: Es ist gut, wenn die Deutsche Mittelklasse mehr Einkommen hat
        • 1970, vermutlich ausgelöst durch Erdöl-Schock, brach der Konsens auf, Unternehmensgewinne sind gesunken, es wurde an der Lohn-Schraube gedreht (nach unten)
        • Paradigma: Löhne senken – Gewinne steigern – weil man denkt, dass so die Investitionen steigen, mit steigenden Löhnen steigt auch die Produktivität, die klassische “Adam Smith Theorie” ist aber an Grenzen gestoßen (bzw. der Quatsch funktioniert einfach nicht, wenn die Reichen noch reicher werden, investieren diese deswegen nicht mehr).
        • Märkte können einige Dinge, Innovation, Produktivitätserhöhung, schöne Produkte die man kaufen kann ist positiv, aber man erwartet zu viel, wenn man glaubt, dass die Unternehmen immer so viel investieren, dass wir Vollbeschäftigung haben.
          • “Unternehmer sind nicht zuständig für Gemeinwohlsteigerung, sondern die wollen Profite machen”

Lösung für die Finanzkrise: Staatliche Defizite – schwarze Null genau falsch, daher Rezession

  • Konzept des Euro: Europäische Zentralbank ja, aber wir brauchen auch ein europäisches Finanzministerium (Paul de Grauwe 1990 Brüssel) weil:
    • wenn Geldschöpfung im privaten Bereich nicht hoch genug ist (wie jetzt) d.h. wenn die privaten Investitionen lahmen
      • folgt daraus Arbeitslosigkeit
      • welche man eigentlich nur noch durch staatliche Ausgabenerhöhung beseitigen kann
  • Meiner Meinung nach die logische Schlussfolgerung:
    • der Staat sollte IN DER KRISE (welche wir immer noch haben) nicht nur mehr Ausgaben tätigen, welche tatsächlich in der Realwirtschaft ankommen,
    • sondern auch Kredite (ohne große Sicherheiten) vergeben, an:
      • real existierende Menschen welche ein Haus (zum selbst bewohnen) bauen möchten
      • an real existierende Menschen welche eine Unternehmens-Idee verfolgen möchten
      • für bestehendes Unternehmen welche investieren möchten um ihr Unternehmen auszubauen
  • dass man in der Krise Austeritätspolitik betreiben muss, steht in keinem Vertrag, Prof Dr Ehnts sieht hier die Politik in der Pflicht, richtig (wie Portugal) zu agieren und gegenzusteuern, bis private Investitionen wieder anspringen.

Prof. Dr. Dirk H. Ehnts erklärt das Schuld-Geld-System: Was sind Schulden? – staatliche antizyklische Ausgaben

  • Im Kapitalismus haben wir Firmen, welche Profite machen möchte, d.h. ihre Einnahmen müssen über den Ausgaben liegen
    • d.h. wir brauchen einen anderen Sektor, wo die Ausgaben über den Einnahmen liegen (sich verschuldet)
    • d.h. wir brauchen immer irgendjemand in der Ökonomie, welcher sich verschuldet, nur dann entsteht Produktion welche verkauft wird und wird mehr produziert
      • nur dann sind Unternehmen auch glücklich
    • es muss in diesem System irgendjemand geben, welcher langfristig mehr Geld rein schießt, als er raus zieht
      • es gibt nur zwei Möglichkeiten:
        • privater Sektor: Haushalte und Unternehmen
        • der Staat
        • d.h. die Ersparnis von Haushalten und Unternehmen wird eigentlich erzeugt durch staatliche Defizite (immer um 3%, Überschüsse eigentlich so gut wie nie, doch jetzt aktuell schon, die Deutsche Staatsverschuldung ist aktuell rückläufig, eigentlich NICHT gut X-D)
          • wenn die privaten Investitionen anspringen, kann der Staat sich wieder mit Investitionen zurück ziehen
      • Normativ: wenn wir der Meinung sind, dass Arbeitslosigkeit schlecht ist (kann man davon ausgehen, erzeugt politische Instabilität d.h. Kriminalität und Aufstände), d.h. wenn wir keine Arbeitslosigkeit haben wollen:
        • dann müsste man den Staat so einsetzen, dass der Staat Ausgaben tätigt, wenn der private Sektor sich mit Ausgaben zurück hält (antizyklisch)
        • wenn Sie der Meinung sind, dass Arbeitslosigkeit nichts schlechtes ist, weil die Menschen dann was anderes machen können, dann erledigt sich diese Diskussion.

Brennpunkt Frankreich: Wenn Macron nach Hollande auch nicht eine Verbesserung der Finanz-Wirtschaftlichen Situation liefert – wird Le Pen gewählt

Die Wahl Le Pens wird das Ende des Euro-Projektes werden und vermutlich in einen neuen Nationalismus in Frankreich, aber auch in Deutschland führen, ähnlich wie Hitler’s Wahlergebnisse immer dann gut waren, wenn die (Finanz)Wirtschaft defekt und viele Menschen arbeitslos waren.

  • Kurios: Frankreichs Präsident bis 1995 Mitterand hat die Einführung einer gemeinsamen Währung als Bedingung für die Wiedervereinigung von Deutschland gemacht/eingefordert, jetzt leidet u.a. auch Frankreich ökonomisch unter dieser finanzielle Fusion.

Werdegang des Euro

  • Prof Dr Ehnts glaubt nicht, dass der Euro eine absichtliche Fehlkonstruktion ist “wir alle machen Fehler” X-D
  • der politische Wille war da 1990
  • Mitterand (Frankreich) hat die Einführung einer gemeinsamen Währung als Bedingung für die Wiedervereinigung von Deutschland gemacht/eingefordert.
  • Europa Abschotten gegen Finanzmärkte (genau das Gegenteil ist passiert) und Europa weiter voran bringen

Was ich immer etwas zynisch finde:

Wirtschafts-Lenker bezahlen Lobbyisten um Politiker zu “beraten” zu beeinflussen (Beispiel: Carl ICahn $150 Mio SuperPack), gleichzeitig, kritisieren Sie aber deren “falsche” Gesetzgebung.

CumEx Steuerbetrug: “Bankenverband wurde blind vertraut”

“und dessen Gesetzesentwurf im Jahr 2007 wurde wortgleich übernommen.

Ein Kapitaler Fehler.

Dem Bankenverband ging es einzig und allein darum die Haftungsrisiken für die Deutschen Banken zu minimieren.

Über ausländische Banken waren CumEx Geschäfte aber immer noch möglich und darauf wurde durch den Bankenverband auch ausdrücklich hingewiesen.

Die CumEx Party kam so riechtig in Gang – über die Jahre bildete sich eine richtige CumEx-Mafia – Deutsche Bank – Allianz Versicherung – FreshfieldsMaschmeyerErwin Müller (DrogerieMarkt Müller).”

(Quelle: Richard Pitterle)

Es ist leider ein sehr gutes und bitter böses Beispiel wie schauderhaft defekt die “Errungenschaft” Demokratie in Deutschland und auf diesem Planeten ist.

Was sagen die Politiker zu diesen Vorwürfen?

Die Hauptgeschädigten der Krise: die jungen Leute

  • “wir schaffen da eine verlorene Generation, welche gegen Europa aufstehen wird”
https://www.statista.com/statistics/266228/youth-unemployment-rate-in-eu-countries/

Werdegang von Prof Dr Ehnts

Geboren und aufgewachsen in Bremen studierte er nach dem Abitur von 1997 bis 2002 Volkswirtschaftslehre mit dem Abschluss Diplom an der Georg-August-Universität in Göttingen.

Von 2006 bis 2012 war er Assistenzprofessor an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

2008 wurde ihm der Doktorgrad mit der Note „summa cum laude“ verliehen.[1] Von 2012 bis 2014 lehrte er als Gastprofessor an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin in den Fächern Makroökonomie, Geld und Währung in Berlin.

Von 2017 bis 2018 lehrte er an der TU Chemnitz.

Ehnts lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Berlin.

Mitglied

  • Institute for International Political Economy (IPE), Berlin
  • Samuel-Pufendorf-Gesellschaft für politische Ökonomie e.V. (Sprecher des Vorstands)

Schriften

  • Dirk H. Ehnts: Modern Monetary Theory and European Macroeconomics. Routledge International Studies in Money and Banking, 2017
  • Dirk H. Ehnts: Geld und Kredit: eine €-päische Perspektive Ehnts. Marburg: Metropolis-Verlag, 2016, 2., überarbeitete Auflage
  • Hans-Michael Trautwein, Dirk H. Ehnts: Innovationen und internationale Wirtschaftsbeziehungen. Oldenburg: Carl-von-Ossietzky-Univ., Arbeitsbereich Weiterbildung und Bildungsmanagement, 2010
  • Ole Christiansen, Dirk H. Ehnts, Hans-Michael Trautwein: Industry relocation, linkages and spillovers across the Baltic Sea. Oldenburg: Inst. für Volkswirtschaftslehre, 2007

src: https://de.wikipedia.org/wiki/Dirk_Ehnts

Links:

https://www.bundesbank.de/resource/blob/614448/c0acb63e33120467bbb3615c63dc7e1a/mL/2017-04-geldschoepfungsprozess-data.pdf

Ich danke allen Beteiligten, welche sich gegen die Selbstzerstörung der Menschheit einsetzen.

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